Sisikon


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100 J. Wasser

Alles ist dem Wasser entsprungen!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Ozean, gönn uns dein ewiges Walten.
Wenn du nicht Wolken sendetest,
Nicht reiche Bäche spendetest,
Hin und her nicht Flüsse wendetest,
Die Ströme nicht vollendetest,
Was wäre Gebirge, was Ebenen und Welt!
Du bist’s der frisches Leben erhält.

Thales von Milet


FESTSCHRIFT 100 JAHRE WASSERVERSORGUNG SISIKON


VORWORT

Heute ist es selbstverständlich, dass zu jeder Zeit genügend und qualitativ einwandfreies Wasser aus unseren Leitungen sprudelt. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, woher das Wasser kommt, geschweige denn, dessen Trinkbarkeit anzuzweifeln. Das fliessende Wasser ist zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden.


Alle bewohnten Häuser sind heute an die Wasserversorgung angeschlossen. Die Zeiten, als das Wasser noch mühsam aus dem Brunnen geschöpft und nach Hause getragen werden musste, sind endgültig vorbei. Diesen Luxus haben wir in Sisikon der innovativen Bevölkerung zu verdanken. Dank unermüdlichem Einsatz während der letzten 100 Jahre, sind wir heute in der glücklichen Lage, das „blaue Gold“ in einwandfreier Qualität und genügender Menge in die Haushaltungen zu liefern.


Wir wollen aufzeigen, wie unsere Wasserversorgung entstanden ist und mit welchen Schwierigkeiten sie während der letzten 100 Jahren zu kämpfen hatte. Wir möchten aber auch einen Überblick über die Bedeutung der Wasserversorgung heute geben.


Wir freuen uns, unsere Wertschätzung für die geleisteten Arbeiten mit dieser Festschrift und einer kleinen Feier zum Ausdruck bringen zu dürfen.

Wasser- und Kanalisationskommission
Sisikon



DER GRUNDSTEIN

Der eigentliche Anstoss für die Erstellung der Wasserversorgung kam, wie in den meisten Urnergemeinde, von der Gotthardbahngesellschaft. Am 9. März 1893 trat diese mit dem Gemeinderat schriftlich in Kontakt und bekundete ihr Interesse an der Erstellung einer Quellfassung und Wasserleitung. Sie zeigte sich bereit, das Projekt finanziell zu unterstützen. Aufgrund dieses Schreibens, beschloss der Gemeinderat am 9. April 1893, eine Kommission hervorzurufen, mit der Aufgabe, sich diesem Anliegen anzunehmen. Bis 1903 konnte dann aber trotzdem kein gemeinsames Projekt verwirklicht werden. Daraufhin beschloss der Gemeinderat, die Erstellung einer eigenen Wasserversorgung selber in die Hand zu nehmen und eine Kostenrechnung einzuholen. Am 2. März 1903 erhielten sie dafür das Einverständnis der Dorfgemeinde.


An der Dorfgemeinde vom 2. Oktober 1903 konnte endlich die erste Kostenrechnung mit entsprechendem Plan präsentiert werden. Die Stimmbürger genehmigten folgenden Beschluss:

Die Erstellung einer Wasserversorgung nach dem Plan von Mechaniker
Camenzind, Gersau, wird beschloss. Mit der Ausführung dieses
Beschlusses wird eine Kommission von 5 Mitgliedern beauftragt. Die
Kommission hat die Arbeits-Leistungsanträge der Dorfgemeinde
vorzulegen.

Die Kommission besteht aus:
Lorenz Zwyer

Aug. Würsch
Müller, Revierförster, Flüelen
Zwyssig, Gemeindeschreiber
Ruosch, Gemeindepräsident

Die Wasserversorgungskommission war geboren und bereits zu Beginn warteten schwierige Aufgaben auf sie. Damals, wie auch heute, hing die erfolgreiche Durchführung eines Projekts von der soliden finanziellen Planung ab. Kostenschätzungen mussten eingeholt werden und Verhandlungen mit dem Quelleigentümer betreffend Erwerb und Entschädigung für das Durchleitungsrecht geführt werden. Am 27. September 1904 lag das erste Projekt von Mechaniker Camenzind auf dem Tisch. Die Kostenschätzung belief sich auf Fr. 8'687.-- und beinhaltete ein Reservoir von 24 m3 Inhalt, Leitungen inkl. Grabarbeiten von 580 m Gesamtlänge, 4 Hydranten sowie sämtliche Armaturen.


Mit diesem Voranschlag war die Kommission nicht ganz zufrieden, sahen sie schon damals, dass 24 m3 Inhalt zu knapp berechnet war. Man einigte sich auf 100 m3 Inhalt zu Fr. 11'925.--. Die Kommission legte das Kostendach auf Fr. 15'000.-- fest, um somit auch der Erwerb der Quelle und die Entschädigungskosten für die Durchleitung abgedeckt waren. Am 27. November 1904 durfte die Kommission der Dorfgemeinde die Kostenzusammenstellung für das Projekt sowie den ausgearbeiteten Kaufvertrag mit Aug. Würsch präsentieren.


Auszug aus dem Protokoll:
Bewilligung für die Erstellung einer Wasserversorgung nach Plan von
Mechaniker Camenzind. Die hierfür gewählte Kommission erhält Vollrecht, eine
Anleihe bis zu einem Betrag von Fr. 15'000.-- aufzunehmen, wofür die
Dorfgemeinde die Zahlungspflicht übernimmt.

Es wird folgender Vertrag genehmigt:
Mit Aug. Würsch im Aegerli betreffend Ankauf seines Quellwassers, Leitung
desselben in das Reservoir, Recht zur Durchleitung des bisherigen
Quellwassers durch das Aegerli, Anlage eine Reservoirs im Aegerli. Hierfür
zahlt die Gemeinde Fr. 400.-- und überdies auf 10 Jahre einen Brunnen beim
Haus. Mit Josef Maria Planzer im Eggeli, desselben zahlt die Gemeinde für das
Recht der Durchleitung durch das Eggeli Fr. 50.--.

Die Kommission erhält Vollrecht, den Auftrag für die Erstellung der
Wasserversorgung an einen genehmigten Unternehmer auf vorgängige
Ausschreibung zu vergeben. Die Abgabe von Wasser geschieht gegen
Bezahlung von Fr. 15.-- für jeden Küchenhahnen und Fr. 10.-- für jeden
weiteren Hahnen. Zu Anbringen gilt für die Wasserversorgung das gleiche
Reglement wie solches für die Wasserversorgung Flüelen.

Sämtliche Punkte wurden von der Dorfgemeinde genehmigt.

Mit Herrn Augustin Würsch, Besitzer des Gutes Aegerli, hat die Wasserversorgungskommission von Sisikon folgenden Vertrag abgeschlossen:

Augustin Würsch tritt der Gemeinde Sisikon als Eigentum ab:
1) das Quellwasser beim Trog hinter dem Aegerlistall.

2) das Recht dieses Quellwasser mittelst unterirdischen Röhren in ein Reservoir

zu leiten.

3) das Recht, das Quellwasser bei der Aegerlibrücke und allenfalls weitere

Quellen von beliebigen Wassermengen mittelst unterirdischen Röhren durch
die Liegenschaft Aegerli auch dem Dorf Sisikon zu leiten & gegen Abtrag
Schadens an dieser Wasserleitungsanlage jederzeit Reparaturen ausführen
zu mögen.

4) das Recht, in der Liegenschaft Aegerli an genehmigter Stelle ein

Wasserreservoir von 150 m3 zu erstellen, zu unterhalten & das überflüssige
Wasser hinters Reservoir gegen die Bachseite abzuleiten.

Für den Bedarf an Wasser für die Viehtränke im Aegerli muss mittelst eines Abschlusshahnens genügend Wasser zurückgelassen werden. Sonst muss dieser Hahnen geschlossen bleiben. Es behält sich überwiegend die Gemeinde vor, die in Ziff. 1 genannte Quelle jetzt noch nicht aufzufassen, sondern unter Umständen später, wenn Bedarf sich einstellt.
Die Wasserleitung & die zugehörigen Anlagen sind Eigentum der Gemeinde Sisikon & müssen stets in gutem Zustande erhalten werden. Für Kulturschaden, welcher aus Anlass von Reparaturen oder Umänderungen entstehen mag, ist eine billige Entschädigung zu gewähren. Für die Anlage des Wasserreservoirs & das erstmalige Legen der Leitungsröhren wird eine besondere Entschädigung nur dann bezahlt, wenn sich die Kulturarbeiten über den 1. April hinaus verzögern. In allen Fällen wird seitens der Gemeinde die gehörige Weidenherstellung des Grasbodens zugesichert.
Für die Abtretung aller seiner genannten Rechte zahlt die Gemeinde Sisikon eine einmalige Entschädigung von Fr. 400.--, schreibe vierhundert, welche zu Handen der Hypo-Gläubiger auf der Hypokanzlei Uri zu deponieren ist. Ausserdem erhält Augustin Würsch auf die Dauer von zehn Jahren eine mit dem Hauptnetz verbindende Wasserleitung in sein Haus im Dorf Sisikon, welche mittelst eines Hahnens abschliessbar ist. Die Erstellung dieser Wasserleitung und während 10 Jahren deren Unterhalt (fahrlässiges Zutun dritter vorbehalten), sowie die Erwerbung des Servituts zur Führung derselben über das Eigentum des Viktor Arnold bzw. des Franz Aschwanden ist Sache der Gemeinde.
Diese Begünstigung zum unentgeltlichen Wasserbezug erlischt nach Ablauf von zehn Jahren.


Zu Urkund dessen ist vorliegender Vertrag doppelt und gefertigt von beiden Kontrahenten unterzeichnet & von der Dorfgemeinde genehmigt worden.

Sisikon, 10. November 1904 Genehmigt an der Dorfgemeindevon Sisikon

Namens der 27. November 1904 Wasserversorgungskommission


der Präsident Lorenz Zwyer
der Gemeindepräsident Ruosch

der Gemeindeschreiber Zwyssig
der Eigentümer des Gutes Aegerli Würsch


DIE AUSFÜHRUNG

Nach der Versammlung kam der Stein nun endgültig ins Rollen und die eigentliche Arbeit konnte in Angriff genommen werden. Die Erstellung der Wasserversorgung wurde ausgeschrieben und fünf Unternehmer zur Offerteingabe eingeladen. Die Offertsummen bewegten sich zwischen Fr. 10'150.-- und Fr. 12'700.--. Die Kommission berücksichtigte jedoch nicht das günstigste Angebot, da ihnen der Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft K. Schmidig Mechaniker, Altdorf, P. Baumann Baumeister, Altdorf und V. Sicher Akkordant, Gurtnellen am besten zusagte. Die Offerte belief sich auf Fr. 11'081.--. Als Variante schlugen sie allerdings ein Reservoir mit 150 m3 Inhalt zu einem Mehrpreis von Fr. 1'700.-- vor. Die Kommission erteilte der Arbeitsgemeinschaft den Auftrag und einigte sich auf die Summe von Fr. 12'726.--.

Für die Kommission war die Planungsphase dennoch nicht abgeschlossen. Sie wollte nichts dem Zufall überlassen und erstellte ein „Buch der Bauvorschriften“, heute auch als Pflichtenheft bekannt. Die Bauvorschriften umfassten 42 Artikel und waren schon damals, wie auch heute, bis ins Detail geregelt.


Auszug aus den Bauvorschriften:

I Allgemeiner Teil

Art. 3 Die Arbeiten müssen baldmöglichst beginnen und sind so zu

betreiben, dass sie (höhere Gewalt vorbehalten) bis 1. Mai 1905
beendet sind.

Art. 4 Jede Woche Verspätung in der Übergabe der gänzlich vollendeten

Arbeiten hat eine Konventionalstrafe von Fr. 50.-- zur Folge.

Art. 5 Der Unternehmer hat bei Vertragsabschluss eine Real- oder

Personalkaution im Betrage von zirka Fr. 1'500.-- zu leisten, die erst
auf Ablauf der Garantiezeit (Art. 7) zurückerstattet wird.

Art. 9 Die Bauleitung wird durch die Wasserversorgungskommission

besorgt, auf Gutfinden auch durch einen von dieser beigezogenen
speziellen Aufseher. Der Unternehmer hat einen Bauführer beständig
auf dem Platz zu halten, der in seiner Abwesenheit Befehle der
Bauleitung für ihn bindend entgegen nimmt.

Ebenfalls geregelt wurden hier Kranken- und Unfallversicherungen
für die Arbeitnehmer.

II Spezielle Bauvorschriften
a) Quellfassung
Art. 2 Die Quellfassung muss vollständig und in allen Teilen sachgemäss
gefasst und einer Sammelstube zugeleitet werden. Die Quellfassung
und die Sammelstube müssen vor Beschädigung durch den Bach,
sowie vor Bergdruck und Verschüttung durch das oberhalb sich
befindliche Rutschgebiet durchaus geschützt sein.

Das Gebiet Binzenegg galt schon damals als grosse Gefahrenzone.

b) Reservoir

Das Reservoir kommt in das Landgut Aegerli etwas unterhalb beim Wege zum Stalle zu stehen. Die genaue Höhenlage wird von derjenigen der Sammelstube bestimmt. Es ist in allen Teilen genau nach Plan auszuführen. Das Selbe ist für einen Wasserinhalt von 150 m3 berechnet. Die Rück- und Seitenwände sind mit 100 cm dicken Bruchsteinmauern unter Verwendung von Mörtelmischung 1:3, der Boden aus Portlandzement 90 cm Mischung 1:3:5, der Deckel aus Portlandzement 30 cm Mischung 1:3:5 zu erstellen, usw.


Nach Vollendung ist das Reservoir einer 24-stündigen Probe auf Wasserdurchlässigkeit zu unterziehen und soll, um abgenommen zu werden, absolut wasserdicht sein.

III Gusseiserne Leitungen

a) Grabarbeiten


Art. 1 Dieselbe umfasst das Ausheben und Wiedereinfüllen des

Leitungsgrabens nebst Wiederherstellen der Terrainoberfläche. Bei
der Wiederherstellung der Letzteren ist in Strassen und Wegen
besondere Sorgfalt zu verwenden. Die normale Grabentiefe beträgt
1 Meter. Für allfällige Mehrtiefen, bedingt durch Bodenunebenheiten
wird keine Entschädigung geleistet, ebenso wenig für Sprengungen.

Art. 7 Die Grabarbeiten für die Zuleitung zu den Häusern unterliegen den

gleichen Bedingungen wie diejenigen der Hauptleitung

b) Legen der Leitungsnetze

Art.5 Um mit den Auffüllungsarbeiten beginnen zu können, sollen

jeweilen ein zelne fertige Leitungsstrecken von 2 – 300 Meter Länge,
im Dorfe auch auf kürzeren Strecken, einem Probedruck von
mindestens 10 Atmosphären unterzogen werden. Vor Beginn der
Probe ist jeweils die Bauleitung zu orientieren, um dieselbe
beaufsichtigen zu können.

Art. 6 Der Unternehmer der Hauptleitung hat während des Bauens allein
das Recht, die Zuleitung zu den Häusern bis und mit dem
Abstellhahnen im Keller zu erstellen. Dem Abonnenten soll es jedoch
unbenommen bleiben, die Grabarbeiten selbst zu besorgen. Für
Anschluss- und Hauszuleitungen sind galvanisierte Eisenröhren von
15 und 20 mm Lichtweiten vorgesehen.

IV Lieferungsangebote
Nach Massgaben der hierfür aufgelegten Pläne und der vorliegenden
Bauvorschriften ist die Erstellung einer Wasserversorgung der
Bauunternehmung
Xaver Schmidig, Mechaniker, Altdorf
Peter Baumann, Baumeister, Altdorf
Valentino Sicher, Akkordant, Gurtnellen
um Fr. 12'726.-- schreibe zwölfhundert siebenhundert zwanzig und
sechs Franken übertragen worden. Für Abänderungen und
Mehrarbeiten gelten die Einheitspreise in der Offerteingabe vom
5. Januar 1905.

Im Januar wurde mit den Arbeiten begonnen und bereits am 4. Februar kam der erste Nachtrag. Die Hahnenkammer wurde offensichtlich nicht eingeplant. Insgesamt wurden vier Nachträge eingereicht, die allesamt von der Kommission genehmigt wurden. Allerdings sollte die definitive Abrechnung dennoch zu Diskussionen führen.


Die Leitungsführung war ein so genanntes Verästelungssystem, das heisst, eine Hauptleitung führte von der Reservoirseite bis zur Bahnunterführung Seestrasse. Ein Abzweiger beim Urirotstock führte in die Axenstrasse. Da diese Kantonseigentum ist, musste die Gemeinde bei der Regierung eine Bewilligung einholen. Mit den verlegten Leitungen wurden die Dorfbrunnen und Hydranten gespeist. Wollte jemand sein Grundstück erschliessen, konnte er dies mit der Einwilligung der Gemeinde auf eigene Kosten tun.

DIE FINANZEN

Um das Bauvorhaben realisieren zu können, galt es, die finanziellen Mittel aufzutreiben. Zuerst wandte sich die Kommission wieder an die Gotthardbahn, in der Hoffnung auf einen Pauschalbeitrag. Diese lehnte jedoch das Gesuch ab. Noch am Tag der Absage bat die Kommission die Ersparniscassa Uri um eine Anleihe von Fr. 15'000.--. Die positive Antwort kam prompt. Am 19. Dezember 1904 lagen der Gemeinde die Bedingungen der Ersparniscassa Uri vor.

Unsere Aufsichtskommission hat uns ermächtigt, das von Ihnen gewünschte
Anleihen von Fr. 15'000.-- zu folgenden Bedingungen abzuschliessen:
1)Zins 4 % zahlbar innert Monatsfrist auf Verfall, nachher ¼ % Zuschlag
und auf 12 Monate einen solchen von 1/2 %.
2)Das Anleihen würde auf 3 – 5 Jahre fest und nachher mit gegenseitiger
Kündigung von 6 Monaten abgeschlossen.
3)Um Ihnen die Abzahlung zu erleichtern, würden wir Ihnen gestatten,
jährliche Abzahlungen von Fr. 2'000.-- / oder falls Sie es wünschen
Fr. 3'000.-- / in beliebigen Beträgen jederzeit ohne Kündigung zu
machen.

Als die definitiven Rechnungen eintrafen, war bald klar, dass das Kostendach überschritten wurde. Die bewilligten Nachtragsarbeiten trugen ihren Teil zur Kostenüberschreitung bei. Die Kommission war mit der Abrechnung der Arbeitsgemeinschaft nicht einverstanden. Schlussendlich hatte das Gericht zu entscheiden, da sich die beiden Parteien nicht einigen konnten. Zwar konnte eine geringe Ermässigung ausgehandelt werden, aber der Kredit der Ersparniscasse vermochte die Auslagen nicht zu decken. Die Armenpflege Sisikon erklärte sich spontan bereit, den fehlenden Betrag als Anleihe zur Verfügung zu stellen. Zudem konnte mit der Gotthardbahn eine Jahrespauschale von Fr. 350.-- für den Wasseranschluss des Bahnhofs und der WC-Anlage ausgehandelt werden.


Am 4. Februar 1906 präsentierte die Wasserversorgungskommission die definitive Schlussabrechnung:

Rechnung über die Erstellung der Wasserversorgung Sisikon von der Wasserversorgungskommission 1905

Einnahmen

1. Anleihe der Ersparniscassa Uri 15'000.00
2. Anleihe der Armenpflege Sisikon 1'348.45
3. Löschbeitrag der Staatskasse Uri 1899- 1904 68.15
4. Wasserabonnements für II. Halbjahr 1905 527.50

Total Einnahmen Fr. 16'944.10
========

Ausgaben

1. Planaufnahme durch Camenzind Gersau 100.00

2. der Unternehmer P. Baumann, X. Schmidig, V. Sicher

a) Vereinbarte Akkord Summe 12'726.00


b) für Abänderung und Mehrarbeiten


1.Erstellung einer Hahnenkammer beim

Reservoir 869.45

2.Verwendung eines grösseren Röhren-

kalibers auf eine Strecke von 291 m à 90 Rp. 261.90

3.Verlängerung der Ufer- u. Bodenpflästerung

38.7 m2 à 8.00 309.60

4. Zementröhren für den Überlauf beim Reservoir

10 m à 3.20 32.00

5. Zementröhren für den Auslauf beim See

45 m à 3.00 135.00

6. Auslauf beim Brunnenhydranten 16.20


7. Erstellung der Anschlussleitung bis zur

Gotthardbahngrenze 169.90

8. den Arbeitern für eine Erfrischung 18.80


9. Entschädigung für Mehrmasse laut Schieds-

gerichtsurteil vom 16. Dez. 1905 800.00 15'338.85






3. Landkauf u. Entschädigung für Erwerb Leitungsrecht

a. dem Aug. Würsch für Land, Leitungsrecht und

Quellen 400.00

b. dem Jos. Mar. Planzer, Durchleitungsrecht 50.00


c. Einschrieb dieser Leitungsrechte ins

Grundbuchamt 19.80

d. dem Kanton Uri, Leitungsrecht über die Strasse 20.00

e. für Erstellung der Wasserleitung zum Hause Aug.
Würsch u. bis zur Kirche

(Verpflichtung gemäss Verträgen) 207.90 697.70

4. Schlauchmaterial 449.00

5. Aufsicht u. verschiedene Kosten

a. dem Kommissionsmitglied L. Zwyer,

Aufsicht u. Taglöhner 133.40

b.dem Kommissionsmitglied Ant. Müller 69.50


c.dem Kommissionsmitglied Aug. Würsch 7.00


d.dem Schreiber für Abfassung der Reglemente

usw. 48.50

e. Schiedsgerichtskosten 22.00


f. Drucksachen, Inserate, Frankaturen 78.15 348.55


Total Ausgaben Fr. 16'944.10
========

Die Dorfgemeinde genehmigte die Abrechnung am 4. Februar 1906.

EINSCHNEIDENDES 1905 – 2005

Um die Wasserversorgung stets gewährleisten zu können, wurde sie immer wieder ausgebaut und ausgebessert.

1921 stellte man fest, dass bei der Aegerliquelle die Hälfte des Wassers verloren ging. Die Gemeinde beschloss, eine zweite Brunnenstube anzubauen. Zwei tüchtige Arbeiter erledigten die Ausbauarbeiten innert 130.5 h.

Das Reservoir musste 1933 wegen Wasserdurchlässigkeit innen neu ausge-strichen werden.

Bereits 1947 vermochte die Wasserversorgung den Wasserbedarf der Sisikoner nicht mehr zu decken. Mit dem Einverständnis der Einwohnergemeinde wurde eine Vergrösserung des Reservoirs geplant. Nach genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass es besser wäre, ein neues zu bauen. Die Gemeinde erwarb neben dem bestehenden Reservoir zusätzlich 73 m2 Land und konnte den Neubau mit 143 m3 Fassungsvermögen 1948 fertig stellen.
Kostenpunkt: Fr. 24'991.90.

Unmittelbar hinter der Aegerliquelle wurde 1963 auf Bachhöhe eine weitere Quelle entdeckt. Das Labor der Urkantone stellte fest, dass die Quelle aus der gleichen Ader wie die Aegerliquelle entspringt und bedenkenlos gefasst und dem Reservoir zugeführt werden kann. Hierbei handelt es sich um die so genannte Schachtquelle.

Der Riemenstalderbach war stets eine grosse Gefahr für Sisikon. Im Sommer 1977 überschwemmte der Bach Sisikon und zog die Aegerliquelle stark in Mitleidenschaft. Der Bach riss die Leitung zwischen der Quelle und dem Reservoir heraus.

Im Laufe der Jahre waren einige Leitungsbrüche zu verzeichnen. Die Gussleitungen von 1905 waren gestämmt und hielten der immer stärkeren Belastung durch den Verkehr nicht mehr stand. In Zusammenhang mit dem Bau der Abwasserreinigungsanlage (ARA) nutzte die Einwohnergemeinde die Gelegenheit, das Leitungsnetzt der Wasserversorgung auszubauen. Ein Ringleitungssystem entstand anstelle des Verästelungssystems. Sämtliche Hauptleitungen wurden ersetzt und weitere Hydranten gesetzt.

Ein grosses Problem für die Wasserversorgung stellt auch das Rutschgebiet Binzenegg / Büelach. Eine Gesamtfläche von ca. 15 ha ist ständig in Bewegung. 1988 rutschte in diesem Gebiet eine Fläche von 1.8 ha in den Riemenstalderbach. Die Kantone Uri und Schwyz mussten Sofortmassnahmen ergreifen und unmittelbar oberhalb der Aegerliquelle eine Bogensperre errichten. Trotz aller vorbeugenden Massnahmen wurde die obere Kammer der Aegerliquelle so stark beschädigt, dass sie einzustürzen drohte. Die obere Kammer (heute nicht mehr zugänglich) wurde neu gefasst und in eine untere Kammer geleitet.

Mit der Durchführung der Schutzzonenausscheidung wurde ca. 200 m oberhalb der Aegerliquelle eine weitere Quelle entdeckt, die aber durch Rutschungen verschüttet wurde. Man beschloss, die so genannte Hangquelle wieder freizulegen, da die Fassung höher liegt als die der Aegerliquelle und somit vor Hochwasser des Riemenstalderbachs sicher ist. Die Kosten wurden vom Kanton übernommen. Somit konnten nun drei Quellen ins Reservoir geleitete werden, die allesamt der gleichen Ader entspringen. Dank dieser Quellen, kann der Wasserbedarf auch bei Hochbetrieb problemlos abgedeckt werden. Selbst im heissen Sommer 2003 musste sich niemand einschränken.

1991 entsprachen die beiden Reservoire nicht mehr dem neusten Stand der Trinkwasseranlagen. Anhand einer Studie wurden 1993 die bestehenden Reservoire innen neu beschichtet und sämtliche Armaturen und Leitungen ausgewechselt. Zugleich wurde die Hauptleitung, mit einer Länge von 154 m, vom Reservoir bis zum Dorf ersetzt. Die Kosten beliefen sich auf Fr. 314'494.75.

Im Laufe der Zeit wurde es immer schwieriger, Mitglieder für die Ausführung von Gemeindeämtern zu finden. Aus diesem Grund beschloss die Einwohnergemeinde 1995, die Kommissionen der Wasserversorgung und der Kanalisation zusammenzulegen. Die Ämter der neuen Wasser- und Kanalisationskommission (WKK) werden von fünf Mitgliedern ausgeführt.

1999, im Jahr des Hochwassers, schwoll der Riemenstalderbach in der Nach vom 18. auf den 19. Mai derart an, dass die Aegerli- und die Schachtquelle überflutet wurden. Einmal mehr zeigte uns die Natur, dass sie nicht so einfach in den Griff zu bekommen ist. Aufgrund dieser Unwetterschäden wurde der Riemenstalderbach einmal mehr ausgebaut. Da trotzdem eine Restgefahr für die Aegerliquelle bestand, wurde vor die bestehende Quelle ein Einstiegsschacht gebaut, welcher mit einer Natursteinmauer geschützt ist. Die Schachtquelle wurde mit einer festen Rohrverbindung gefasst, muss aber bei Hochwasser gesperrt werden.


Bis 2005 hat die Wasserversorgung drei Reglemente herausgegeben.
1. Reglement vom Regierungsrat genehmigt am 17. Juni 1905
2. Reglement vom Regierungsrat genehmigt am 10. Dezember 1958
3. Reglement vom Regierungsrat genehmigt am 3. Februar1986

1 Reservoir erbaut 1905.
Insgesamt stehen heute 130 m3 Brauchwasser zur Verfügung, wovon 50 m3 als Feuerlösch-
reserven bestimmt sind.
2 Reservoir erbaut 1948.
Es stehen heute 114 m3 Brauchwasser zur Verfügung.


Doch wofür verwenden Herr und Frau Schweizer das blaue Gold? Die öffentliche Wasserversorgung versorgt die Schweiz mit jährlich 1,1 Milliarden Kubikmeter Wasser. Davon entfallen 43 % auf den Haushalt, 34 % auf die Industrie und Landwirtschaft. Der Rest wird von den Wasserversorgungen selber für Brunnen und Bäder genutzt oder geht bei der Zulieferung verloren.

Ein Erwachsener verbraucht im Haushalt täglich durchschnittlich 162 Liter Wasser. Wofür aber verbrauchen wir das kostbare Nass?

· 47,7 Liter (29,5 %) für die Toilettenspülung
· 31,7 Liter (19,6 %) für Baden und Duschen
· 30,2 Liter (18,6 %) für die Waschmaschine
· 24,3 Liter (15,0 %) für Kochen, Spülen von Hand und Trinken
· 20,7 Liter (12,8 %) für die Körperpflege und Handwäsche
· 3,8 Liter (2,3 %) für Blumen, Aquarium und ähnliches
· 3,6 Liter (2,2 %) für Geschirrspüler

Trinkwasser ist ein Lebensmittel und muss daher strengste Auflagen erfüllen. Kontrollen durch die kantonalen Labore bieten Gewähr für hohe Qualität. Trotz all der Auflagen kosten 1000 Liter Trinkwasser in der Schweiz durchschnittlich nur gerade Fr. 1.60.


WASSERVERBRAUCH SISIKON

Und wie sieht es in Sisikon aus? Bei der Sanierung des Reservoirs 1993 wurde in die Hauptleitung eine Wasseruhr eingebaut. 2002 bauten wir Wasseruhren in die Gewerbebetriebe sowie in einen Privathaushalt ein. Die Privathaushaltung, eine 4-köpfige Familie, verbraucht jährlich durchschnittlich 158 m3. Das ergibt einen Tagesbedarf von 108 Litern pro Person.
Diese Messungen geben unserer Kommission einen Überblick über den ungefähren Wasserbezug durch die Bevölkerung und macht uns dadurch auf allfällige Lecke (Wasserverluste) aufmerksam.


QUELLEN SISIKON

Die Wasserversorgung Sisikon ist in der glücklichen Lage, über drei Quellen zu verfügen. Sie liefern qualitativ hochwertige Wasser, das ohne jegliche Aufbereitung ins Versorgungsnetz eingespeist werden kann. Dank des idealen Standorts in Dorfnähe, entstehen der Wasserversorgung verhältnismässig geringe Kosten für den Leitungsunterhalt.

Die Aegerliquelle ist die Hauptquelle, welche bei der Erstellung der Wasserversorgung 1905 gefasst und ausgebaut wurde.

Die Schachtquelle wurde 1963 gefasst. Diese Quelle darf allerdings, wenn der Riemenstalderbach Hochwasser führt, nicht mehr in die Brunnenstube geleitet werden.


Die Hangquelle befindet sich in Privatbesitz. Die Wasserversorgung konnte für diese Quelle im Jahr 2003 einen Nutzungsvertrag über 20 Jahre abschliessen.


Im Zusammenhang mit der Umfahrung Sisikon, wurden im Auftrag der Kantone Uri und Schwyz sämtliche Quellen registriert, die sich auf Gemeindegebiet Sisikon befinden. Es sind sage und schreibe 58 Quellen verzeichnet.


SCHUTZ DER QUELLEN

Wasser ist lebenswichtig. Deshalb wird der Bewahrung von Grundwasserreserven grosse Bedeutung beigemessen. Eine Massnahme dazu sind strenge gesetzliche Auflagen in den Schutzzonen der Trinkwasserfassungen gegen Verunreinigungen, zum Beispiel durch belastetes Sickerwasser, Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Die Wasserversorgungen der Schweiz sind seit 1973 verpflichtet Schutzzonen zu erstellen.
Sisikon befasst sich mit diesem Projekt bereits seit 1987, doch erst dieses Jahr konnte die definitive Schutzzone öffentlich aufgelegt werden. Die Wasserversorgung hofft, das Projekt noch dieses Jahr endgültig abschliessen zu können.

Was ist eine Schutzzone?
Die Schutzzone dient dem Schutz von Trinkwasserfassungen. Sie ist in drei Teilzonen S1 – S3 aufgeteilt, welche die Fassung wie Zwiebelschalen umhüllen, in denen von aussen nach innen immer strengere Schutzbestimmungen gelten. Die Schutzzone schützt nicht nur das Grundwasser vor Verschmutzung, sondern auch den Grundwasserleiter, den darunter liegenden Grundwasserstauer und die schützende Überdeckung vor baulichen Eingriffen.

In Sisikon sieht es konkret wie folgt aus:

Der Fassungsbereich (Zone S1) hat den Zweck, die Trinkwasserfassung vor Beschädigung und Verschmutzung zu schützen. Hier sind nur Eingriffe erlaubt, die für die Trinkwasserversorgung nötig sind. Diese Zone befindet sich unmittelbar um die Aegerliquelle.

Die engere Schutzzone (Zone S2) sorgt zusätzlich dafür, dass keine Krankheitserreger ins Trinkwasser gelangen. In dieser Zone ist alles verboten, was das Trinkwasser beeinträchtigen könnte. Diese Zone reicht bis ins Gebiet Büelacher/Binzenegg.

Die weitere Schutzzone (Zone S3) schützt die Trinkwasserfassung vor Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen. Sie soll sicherstellen, dass bei einem Unfall genügend Zeit und Platz für Rettungsmassnahmen bleibt. Betriebe die eine Gefahr für das Grundwasser bedeuten sind verboten. Diese Zone reicht bis in den Fronwald.

Wie kann man im Alltag Grundwasser schützen?

· weniger Benzin, Diesel und Heizöl verbrauchen
· Produkte aus ökologischer Landwirtschaft kaufen
· im Garten kein Pestizid einsetzen
· den Abfall sachgerecht entsorgen
· verschmutzte Flüssigkeiten fachgerecht entsorgen
· Grundwasserschutzzonen kennen und respektieren
· die Abwasserleitungen kontrollieren und in Stand halten


KOMMISSIONSMITGLIEDER 2005

Präsident: Fischlin Markus
Vizepräsident: Bucheli Paul
Mitglied: Bucheli Stefan
Mitglied: Fischlin Beat
Mitglied: Zwyssig Arthur


PRÄSIDENTEN DER WASSERVERSORGUNG 1905 – 2005

1905 - 1912 Zwyer Lorenz
1912 - 1914 Zwyer Josef
1914 - 1919 Braun Xaver
1919 - 1923 Zwyer Alois
1923 - 1928 Voser Benedikt
1928 - 1936 Zwyssig Heinrich
1936 - 1951 Zwyer Alois
1951 - 1959 Zurfluh Franz
1959 - Aschwanden Peter Die genaue Amtsdauer kann nicht festgestellt
1971 Züricher Josef werden, da die Protokollbücher fehlen.
1971 - 1995 Steiner Aegid
1995 Fischlin Markus

Nicht zu vergessen sind die übrigen Kommissionsmitglieder und all die anderen guten Seelen. Auch ihnen gebührt ein herzliches Dankeschön, denn ohne sie wäre all die Arbeit seit 1905 nicht zu bewältigen gewesen.

Literaturverzeichnis

· Baumann H., Fryberg S. (1995). Uri und seine Wasser. Aarau: AT Verlag
· Bickel H., Claus R., Frank R., Haala G., Lüdbecke M., Wichert G., Zohren D.
(2002). Natura. Biologie. Zug: Klett und Balmer
· Bundesamt für Wasser und Geologie BWG (2003). Eintauchen in die
Wasserwirtschaft. Bern: BWG
· Einwohnergemeinde Sisikon (1893 - 1961). Protokollbücher. Sisikon: Gemeinde
· Wasserversorgungskommission (1893 - 1995). Archivierte Dokumente.
Sisikon: Wasserversorgungskommission
· Wasser- und Kanalisationskommission Sisikon WKK (1995 – 2005).
Archivierte Dokumente. Sisikon: WKK

Bildverzeichnis

Sisikon 1836 von D.A.Schmid (Ausschnitt) Sisikon 1173 - 1873
Kaufvertrag Aegerliquelle Archiv Wasserversorgung, Sisikon

Impressum

Text und Gestaltung: Markus Fischlin, Sisikon

Verlag: Wasser- und Kanalisationskommission Sisikon (WKK)
Druck: Gisler Druck, Altdorf










































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