Sisikon


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Franzosen



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Franzosenzeit in der Gemeinde Sisikon
vor 213 Jahren


Sisikon in der Franzosenzeit

Auszug aus "Die Geschichte eines Dorfes" (1947) von Pfarrer Walter Hauser


Eine unsäglich schwere Zeit machte das Urnerland und damit auch unser Pfarrdorf um die Wende zum 19. Jahrhundert durch, da die alte Eidgenossenschaft zusammenbrach und Französische, Österreichische und Russische Truppen das Land aussogen. Oberstdivisionär von Segesser schreibt darüber: Am 14. Weinmonat 1798 begann die militärische Besetzung des Landes durch General Mainoni, nachdem am 10. September General Schauenburg die am 5. Mai erfolgte Kapitulation, durch die Teilnahme von 30 Urnern am Kampf der Unterwaldner als verletzt erklärt hatte. Es folgten schwere Tage, Kontributionen an Geld, gewalttätige Requlsitionen, schwere Teuerungen. Es regnete nach allen Seiten von polizeilichen Verordnungen und Strafen für die Uebertreter derselben. Es wurde nachgerade verboten, auf den Strassen zusammenzutreten und zu sprechen.

Das Mass des stummen Sichdreinfügens war schliesslich vollgerüttelt und ein erster Aufruhr brach aus wegen des Eingriffs der Kommissäre in die persönliche Freiheit des Bürgers wegen einer Aushebung von Soldaten für das helvetische Elitekorps, welches die Franzosen zum Kampfe gegen
die Oesterreicher organisieren wollten. Kirchgangweise sollte die dienstfähige Mannschaft des Landes unter Androhung der schärfsten Strafen aufgeboten werden zur Erstellung der Kontrollen; die Ledigen hätten das Los ziehen, die Ausgelosten das erste Piquet, die Verheirateten das zweite Piquet zu bilden gehabt.

Am 3. April 1799 waren die Sisikoner, Isenthaler, Bauener und Seedorfer Mannschaften ins Kloster Seedorf aufgeboten zur Belehrung über das Wesen und die Durchführung der neuen Aushebung. Laut dem Tagebuch der Aebtissin ging es bei diesen Verhandlungen hoch her. Der Distriktstatthalter Müller drohte zuletzt mit dem Erschiessen derienigen, die sich nicht der neuen Verordnung fügen wollten. Trotzdem zwei Kompagnien Franzosen beigezogen waren um den Landleuten Verstand zu machen, gaben diese nicht nach, sondern erklärten, morgens nach Altdorf zu kommen. Sie kamen auch wirklich am 4. April, aber nicht um das Los zu ziehen, sondern bewaffnet zum Ueberfall der zufällig ganz schwachen französischen Besatzung. Diese bereitete sich zur Gegenwehr. In seiner Geschichte des Kantons Uri sagt Dr. C. F. Lusser hierüber: In dieser Verwirrung ging abends spät zum grossen Schrecken der Bewohner von Altdorf mitten im Dorfe in der Ankenwage, wo die Franzosen ihre Hauptwache hatten und eben emsig Patronen machten, Feuer aus, konnte jedoch schnell wieder gedämpft werden. Allein schon am folgenden Tag, den 5. April 1799, als derselbe nach dumpfer Gährung, bei welchem junge Bauernburschen sich erkühnten, den Franzosen hämisch auf die Kanonen zu klopfen, zur Neige ging, brach in dem von lauter hölzernen, von armen Leuten bewohnten Häusern bestehenden Quartier Feuer aus, das Altdorf fast gänzlich einäscherte.

Das Niederbrennen von Altdorf brachte dem Lande Uri für kurze Zeit die Anarchie. Die französische Besatzung von Altdorf zog sich nach Flüelen und die Seegegend auf dem linken Reussufer zurück, um sich die Schiffe zu sichern. Mit ihnen war auch der Distriktsstatthalter Müller abgegangen, der höchste Magistrat im Lande. Das Landvolk war sich ganz selbst überlassen und fand in dem allgemeinen Wirrwarr nur schwer sein Gleichgewicht.

Am 25. April 1799 wurde eine Landsgemeinde in der Jagdmatt in Erstfeld angesagt. Sie war aber zu wenig zahlreich besucht, um über Krieg und Frieden zu entscheiden und vertagte sich auf den 26. April. Diese denkwürdige Landsgemeinde fand unter grosser Aufregung statt. Während derselben langte die Nachricht ein, dass die Franzosen ihre Garnison im Seegebiet Uris verstärkten. Unter solchen Eindrücken beschloss die offene Landsgemeinde, zu den Waffen zu greifen. Damit begann der Kampf, der von Segesser im 5. historischen Neiiahrblatt ausführlich schildert.

Sisikon kam damals als Anmarschplatz der Franzosen in Frage und konnte von den Urner Truppen nicht verteidigt werden. Von Morschach führte dazumal ein leidlicher Fussweg nach Sisikon. Von da an führte ein zum grössten Teil schmaler, schwindliger Steg über die Bänder des Axenberges gegen Flüelen. Der General der Urner, Vinzenz Schmid, nachdem er am 26. April die Franzosen zum Weichen gebracht, war am 3. Mai auch in Sisikon, um die Vorposten zu inspizieren, wie die Zuger meldeten, als sie von Sisikon nach Morschach hinaufzogen.

Während der Vorbereitungen der aufständischen Urner zur weitern Verteidigung blieben auch die Franzosen nicht müssig. Sie zogen in den für sie erreichbaren Seegemeinden Bauen und Sisikon die Waffen ein. Diese Operation vollzog sich meist in der Weise, dass einige übelmögende alte Männer die schlechtesten Gewehre im Dorf den Kommissären brachten, wahrend die kampffähige Mannschaft sich mit den guten Waffen in die Berge zurückzog.

Am 28.April rückten die Franzosen auf Schiffen gegen Flüelen, aber die plötzlich einlaufende Nachricht, dass bewaffnete Scharen von Zugern und Schwyzern sich Sisikon nähern und dass Brunnen ebenfalls von den Aufständischen bedroht sei, veranlasste die Franzosen, sich mit ihren 61 Schiffen nach Gersau und dann nach Luzern zurückzuziehen.

Am 2. Mai verlangte General Soult, der die Leitung der Expedition übernommen hatte, vom Direktorium in Luzern Schiffe und Führer für einen neuen Angriff auf die Stellung Flüelen-Seedorf. Seine Asicht war, am 6. Mai Sisikon zu besetzen und Bauen zu nehmen. Dieses Vorhaben misslang. Auch beim Angriff am 8. Mai versuchtes die Franzosen in Sisikon keine ernstliche Landung. Denn die aus der Vorpostenstellung von Morschach zurückgezogenen 100 Urner und Ursenerschützen hatten den Axenweg erklommen und sich auf die Höhe der feindlichen Schiffe gegen Flüelen vorgearbeitet.
Der Kampf vom 8. Mai war der Anfang von der Niederlage der Urner, die an Zahl und Führung den Franzosen nicht gewachsen waren. Als sicheres Opfer bei diesem Kampfe können wir den im Totenbuch von Flüelen vermerkten Johann Infanger beym Tellen als von Sisikon bezeichnen.

Der damalige Gemeindeschreiber des Dorfes, Munizinalitätsschreiber und Sigrist Sebastian Anton Aschwanden, hat in seinen ausführlichen, im Neujahrsblatt veröffentlichten Protokollen, die den ganzen umständlichen Papierkrieg der Behörden enthalten, ein zuverlässiges Bild jener Zeit hinterlassen. Wir erfahren dort, dass in dem kleinen Dorf mit seinen 36 Haushaltungen in den zwei Jahren 1799 und 1800 gegen 6000 Mann und einige Hundert Pferde einquartiert lagen. Alles Heu, beinahe der ganze Bestand an Vieh, Schlitten, Schiffen und Waffen musste nach und nach abgeliefert werden. Dazu kamen die Kriegssteuern, 1800 brach die Viehseuche aus. Die helvetische Neuordnung hatte in Sisikon keine Freunde. Die diesbezügliche Volksabstimmung brachte kein einziges Ja auf.



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